Gedichte Frieden


Gedichte - Frieden

Sammlung an Gedichten mit Bezug zum Thema Frieden für Leserunden und Gedächtniseinheiten.

 

Wenn Licht in der Seele ist,
ist Schönheit im Menschen.
Wenn Schönheit im Menschen ist,
ist Harmonie im Haus.
Wenn Harmonie im Haus ist,
ist Ordnung in der Nation.
Wenn Ordnung in der Nation ist,
ist Frieden in der Welt.

Aus China

 

 

Der Herr sei vor dir,
um dir den rechten Weg zu zeigen,
der Herr sei neben dir,
um dich in die Arme zu schließen und dich zu schützen,
der Herr sei hinter dir,
um dich zu bewahren vor der Heimtücke böser Menschen,
der Herr sei unter dir, um dich aufzufangen,
wenn du fällst und dich aus der Schlinge zu ziehen,
der Herr sei in dir,
um dich zu trösten, wenn du traurig bist,
der Herr sei um dich herum, um dich zu verteidigen,
wenn andere über dich herfallen,
der Herr sei über dir, um dich zu segnen.

Altirischer Segenswunsch

 

 

 

 

 

 

Wir wünschen dir den Frieden der Meeresdünung,
den Frieden einer sanften Brise,
den Frieden der schweigsamen Erde,
den Frieden einer klaren Sternennacht.
Wir wünschen dir den Frieden Jesu Christi,
der unser Friede ist für alle Zeit.

Altirischer Segenswunsch

 

 

 


Doch es ist ein ew'ger Glaube,
Daß der Schwache nicht zum Raube
Jeder frechen Mordgebärde
Werde fallen allezeit:
Etwas wie Gerechtigkeit
Webt und wirkt in Mord und Grauen,
Und ein Reich will sich erbauen,
Das den Frieden sucht auf Erden.

Conrad Ferdinand Meyer

 

 

 

 

Ich wollt' ich könnte sein die Ruhe –

Ich wollt' ich könnte sein die Ruhe,
Die endlich, endlich dir beschieden.
Ich küßte reuig Deine Schuhe,
Weil ich so lange dich gemieden.

Ich wollt' ich könnte sein der Friede,
Der mild auf dich herniederkäme
Und mild von deinem Augenlide
Des Kampfes letzte Thräne nähme.

Emil Claar

 

 

 

Eines ist nur Glück hienieden,
Eins: des Innern stiller Frieden.
Und die schuldbefreite Brust!
Und die Größe ist gefährlich,
Und der Ruhm ein leeres Spiel;
Was er gibt, sind nicht'ge Schatten;
Was er nimmt, es ist so viel!

Franz Grillparzer

 

 

 

 

Bewaffneter Friede

Ganz unverhofft auf einem Hügel
sind sich begegnet Fuchs und Igel.
Halt! rief der Fuchs, du Bösewicht!
Kennst du des Königs Order nicht!
Ist nicht der Friede längst verkündigt,
Und weißt du nicht, daß jeder sündigt,
der immer noch gerüstet geht!
Im Namen seiner Majestät,
komm her und übergib dein Fell!

Der Igel sprach: Nur nicht so schnell,
nur nicht so schnell!
Laß dir erst deine Zähne brechen,
dann wollen wir uns weitersprechen.
Und also bald macht er sich rund,
zeigt seinen dichten Stachelbund
und trotzt getrost der ganzen Welt,
bewaffnet, doch als Friedensheld.

Wilhelm Busch

 

 

 

 

Um Einfluß quält sich Stolz; der Geiz, daß Geld sich mehre;
Der Höfling im Palast dient schwer um Schein und Ehre!
Der Glückliche lebt sich; in seiner freien Brust,
Da ist sein Stolz, sein Ruhm, sein Reichtum, seine Lust!
Frei wollt ihr alle sein und fesselt euer Leben!
Kehrt zur Natur zurück, nur sie kann Frieden geben!

Siegfried August Mahlmann

 

 

Schön ist der Friede! Ein lieblicher Knabe
Liegt er gelagert am ruhigen Bach,
Und die hüpfenden Lämmer grasen
Lustig um ihn auf dem sonnigen Rasen,
Süßes Tönen entlockt er der Flöte,
Und das Echo des Berges wird wach,
Oder im Schimmer der Abendröte
Wiegt ihn in Schlummer der murmelnde Bach.

Johann Christoph Friedrich von Schiller

 

 

 

 

Nun, du holde Friedenstaube,
Die du uns den Oelzweig bringst,
Wenn du vor des Geiers Raube
Frei den kleinen Fittich schwingst!
Komm, verzieh nicht! Laß dich nieder,
Unsere Herzen öffnen sich,
Gib der Welt den Frieden wieder
Und nimm ihn dann auch für dich.

Unbekannt

 

 

 

Frühlingsglaube

Es wandert eine schöne Sage
Wie Veilchenduft auf Erden um,
Wie sehnend eine Liebesklage
Geht sie bei Tag und Nacht herum.

Das ist das Lied vom Völkerfrieden
Und von der Menschheit letztem Glück,
Von goldner Zeit, die einst hienieden,
Der Traum als Wahrheit, kehrt zurück.

Wo einig alle Völker beten
Zum Einen König, Gott und Hirt:
Von jenem Tag, wo den Propheten
Ihr leuchtend Recht gesprochen wird.

Dann wird's nur eine Schmach noch geben,
Nur eine Sünde in der Welt:
Des Eigen-Neides Widerstreben,
Der es für Traum und Wahnsinn hält.

Wer jene Hoffnung gab verloren
Und böslich sie verloren gab,
Der wäre besser ungeboren:
Denn lebend wohnt er schon im Grab.

Gottfried Keller

 

 

 

Das Schönste

Das Schönste ist in dieser Welt
Der Friede im Gemüt,
Der wie die Lilie auf dem Feld
Auch unter Stürmen blüht.
Er gibt uns Trost zu jeder Zeit,
Wo sonst kein Trost uns blieb,
Drum bitte Gott, der ihn verleiht:
Den Frieden, Herr, mir gib!

Nicht ist's die Weisheit, nicht die Macht,
Draus uns das Glück entspringt,
Nicht Reichtum ist's nicht eitle Pracht,
Die uns den Segen bringt;
Nicht des Genusses Augenblick
Ist's, der uns wahrhaft lohnt,
O nein, es blüht des Lebens Glück
Nur, wo der Friede wohnt!

Drum frage nicht nach äußerm Schein,
Er blendet nur den Sinn,
Er läßt das Herz nicht fröhlich sein,
Und schwindet bald dahin -
Wenn dir das Schönste werden soll,
So hab' die Menschen lieb,
Gott aber bitte demutsvoll:
Den Frieden, Herr, mir gib!

Herrmann Köhler

 

 

 

 

An den Frieden

Wo bist du hingeflohn, geliebter Friede?
Gen Himmel, in dein mütterliches Land?
Hast du dich, ihrer Ungerechtigkeiten müde,
Ganz von der Erde weggewandt?

Wohnst du nicht noch auf einer von den Fluren
Des Oceans, in Klippen tief versteckt,
Wohin kein Wuchrer, keine Missethäter fuhren,
Die kein Eroberer entdeckt?

Nicht, wo mit Wüsten rings umher bewehret,
Der Wilde sich in deinem Himmel dünkt?
Sich ruhig von den Früchten seines Palmbaums nähret?
Vom Safte seines Palmbaums trinkt?

O! wo du wohnst, laß endlich dich erbitten:
Komm wieder, wo dein süßer Feldgesang,
Auf heerdenvollen Hügeln und aus Weinbeerhütten
Und unter Kornaltären klang.

Sieh diese Schäfersitze, deine Freude,
Wie Städte lang, wie Rosengärten schön,
Nun sparsam, nun wie Bäumchen auf verbrannter Heide,
Wie Gras auf öden Mauern stehn.

Die Winzerinnen halten nicht mehr Tänze;
Die jüngst verlobte Garbenbinderin
Trägt, ohne Saitenspiel und Lieder, ihre Kränze
Zum Dankaltare weinend hin.

Denn ach! der Krieg verwüstet Saat und Reben
Und Korn und Most; vertilget Frucht und Stamm;
Erwürgt die frommen Mütter, die die Milch uns geben,
Erwürgt das kleine fromme Lamm.

Mit unsern Rossen fährt er Donnerwagen,
Mit unsern Sicheln mäht er Menschen ab;
Den Vater hat er jüngst, er hat den Mann erschlagen,
Nun fodert er den Knaben ab.

Erbarme dich des langen Jammers! rette
Von deinem Volk den armen Überrest!
Bind' an der Hölle Thor mit siebenfacher Kette
Auf ewig den Verderber fest.

Karl Wilhelm Ramler
 

 

 

Friede der Kreatur

Spinnen waren mir auch zuwider
All meine jungen Jahre,
Ließen sich von der Decke nieder
In die Scheitelhaare.
Saßen verdächtig in den Ecken
Oder rannten, mich zu erschrecken
Über Tischgefild und Hände,
Und das Töten nahm kein Ende.

Erst als schon die Haare grauten,
Begann ich sie zu schonen.
Mit den ruhig Angeschauten
Brüderlich zu wohnen;
Jetzt mit ihren kleinen Sorgen,
Halten sie sich still geborgen,
Läßt sich einmal eine sehen,
Lassen wir uns weislich gehen.

Hätt' ich nun ein Kind, ein kleines,
In väterlichen Ehren,
Recht ein liebliches und feines,
Würd' ichs mutig lehren
Spinnen mit den Händchen fassen
Und sie freundlich zu entlassen;
Früher lernt' es Friede halten,
Als es mir gelang, dem Alten!

Gottfried Keller
 

 

 

Was kostet unser Fried?
O, wie viel Zeit und Jahre!
Was kostet unser Fried?
O, wie viel graue Haare!
Was kostet unser Fried?
O, wie viel Ströme Blut!
Was kostet unser Fried?
O, wie viel Tonnen Gut!

Friedrich Freiherr von Logau

 

 

 

Damit es Frieden in der Welt gibt,
müssen die Völker in Frieden leben.

Damit es Frieden zwischen den Völkern gibt,
dürfen sich die Städte nicht gegeneinander erheben.

Damit es Frieden in den Städten gibt,
müssen sich die Nachbarn verstehen.

Damit es Frieden zwischen Nachbarn gibt,
muß im eigenen Haus Frieden herrschen.

Damit im Haus Frieden herrscht,
muß man ihn im eigenen Herzen finden.

Laotse

 

 

Du bist die Ruh
Der Friede mild,
Die Sehnsucht du,
Und was sie stillt.

Ich weihe dir
Voll Lust und Schmerz
Zur Wohnung hier
Mein Aug und Herz.

Kehr ein bei mir,
Und schließe du
Still hinter mir
Die Pforten zu.

Treib andern Schmerz
Aus dieser Brust!
Voll sei dies Herz
Von deiner Lust.

Dies Augenzelt,
Von deinem Glanz
Allein erhellt,
O füll es ganz!

Friedrich Rückert

 

 

 

Der höhere Friede

Wenn sich auf des Krieges Donnerwagen
Menschen waffnen, auf der Zwietracht Ruf,
Menschen, die im Busen Herzen tragen,
Herzen, die der Gott der Liebe schuf:

Denk' ich, können sie doch mir nichts rauben,
Nicht den Frieden, der sich selbst bewährt,
Nicht die Unschuld, nicht an Gott den Glauben,
Der dem Hasse wie dem Schrecken wehrt;

Nicht des Ahorns dunkelm Schatten wehren,
Daß er mich im Weizenfeld erquickt,
Und das Lied der Nachtigall nicht stören,
Die den stillen Busen mir entzückt.

Heinrich von Kleist

 

 

Friede

Ich frug die Freunde. – Sie drückten
Herzinniglich mir die Hand,
Doch fühlt' ich – Keiner von allen
So recht mein Wort verstand.

Ich frug die Sterne. – Sie schwiegen,
Sie wußten zu rathen nicht; –
Ich frug die Blumen. – Sie wiegten
Ihr lächelnd Angesicht. –

Dir schaut' ich nur in die Augen,
Du lächeltest mild mich an:
Das hat dem krankenden Herzen
Unendlich wohl gethan.

Denn Alles, was es ersehnet,
Dir tief in der Seele blüht –
Ein stiller seliger Friede,
Ein fromm und keusch Gemüth.

Und ruhest du mir am Busen,
So heilet jeglicher Schmerz;
Den Frieden halt' ich umfangen,
Der Friede zieht in's Herz.

Karl Siebel

 

 

Versöhnlichkeit

Zur Ruhe gehe keine Nacht,
Wenn einer deiner Lieben grollt;
Wer weiß, ob morgen ihr erwacht,
Euch auszusöhnen wie ihr sollt.
Das Herz, das jetzt so stürmisch pocht
In Trotz und Stolz und hartem Sinn,
Ein über Nacht verglimmter Docht,
Ist morgen schon vielleicht dahin.
Dann gibt nicht wieder dir der Mund
Erwidernd der Versöhnung Kuß;
Er schloß sich unversöhnlich und
Im Aug' erlosch der Thräne Fluß.
Weh! mußt am Sarg du dir gestehn,
Gedenkend an sein Angesicht,
Als du's das letztemal gesehn,
Da war's in Liebe und Friede nicht!
Drum fühlst du abends Grimm und Groll,
Laß drüber hingehn keine Nacht.
Stark ist der Trotz – doch wundervoll,
Viel stärker ist der Liebe Macht.
Zum Freunde geh und beut die Hand,
Du selbst zuerst zum Frieden an:
Und sternenwärts dein Haupt gewandt,
Geh freudig heim, zu schlummern dann!

Felix Dahn

 

 

Alles wankt und alles sinket,
Was der Mond beglänzt, vergeht,
Und die Rose, die am Morgen winket,
Ist oft, eh' der Abend thaut, verweht!
Nur des Herzens stillen Frieden
Störet nicht der Schicksalsstürme Wuth,
Und dies bessere Glück ist dir beschieden,
Denn dein Herz ist rein und gut.

Gerhard Adam Neuhofer

 


Wes ist der Erdenraum? Des Fleißigen.
Wes ist die Herrschaft? Des Verständigen.
Wes sei die Macht? Wir wünschen alle, nur
Des Gütigen, des Milden. Rach' und Wut
Verzehrt sich selber. Der Friedselige
Bleibt und errettet. Nur der Weisere
Soll unser Vormund sein. Die Kette ziemt
Den Menschen nicht und minder noch das Schwert.

Johann Gottfried von Herder

 

 

 

Lobpreisung des Friedens

Den Menschen Herrliches gebiert der Friede,
Reichtum und Blüte süßberedter Kunst.
Den Göttern brennt auf marmornen Altären
das Fleisch der Rinder und geflockten Lämmer
in goldner Flamme. Jugend denkt an Kämpfe
der Arena, denkt an Flötenspiel und Tanz.
Am Eisenband der Schilde webt die Spinne
ihr Netz. Gespitzte Lanzen, Doppelschwerter
zerfrißt der Rost. Die Erztrompete schweigt.
Von unsern Lidern wird der milde Schlummer,
der herzbelebende, nicht fortgescheucht.
Die Straßen sind durchblüht von heitren Festen;
zum Lobpreis der schönen Knaben glüht Gesang.

Bakchylides von Keos

 

 

Solange tausendfältig Kain den Abel
Unblutig oder blutig, noch erschlägt;
Und nicht der Streit, den einst erregt zu Babel
Des Sprachenkampfs Erinnys, beigelegt –
Solang' nicht Poesie als Taub' im Schnabel
Des ewigen Völkerfriedens Ölzweig trägt –
Solang, sag ich euch, trotz der Fanfaren
Des Fortschrittsjubel, sind wir noch Barbaren!

Robert Hamerling

 


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